Prof. Dr. Hans-Joachim Dahms

April 1 - June 30, 2022

Research for a study about:

Erfindung und Ausbreitung der Neuen Sachlichkeit der 1920 Jahre.
Von der Malerei über die Architektur bis hin zur Philosophie.


Mit dem 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 erfährt die mit ihm verbundene Bewegung der Neuen Sachlichkeit erneute Beachtung. Die Literatur zum Thema füllt große Regale. Meist handelt es sich dabei aber um Betrachtungen einzelner Aspekte wie der Malerei, von der sie (mit einer Ausstelllung in der Kunsthalle Mannheim 1925) ausgegangen ist, dann über die Literatur, die Musik, den Film etc.
Im Unterschied dazu geht es mir in diesem Projekt darum, das Phänomen im Ganzen zu erfassen und zu analysieren; vor allem auch zu verstehen, was das gemeinsame "Sachliche" in allen diesen Kulturbereichen bis hin zur Umgestaltung des alltäglichen Lebensstils gewesen ist.
Es kommt hinzu, dass es offenbar ein personelles Netzwerk von führenden Vertretern der modernen Kunst- und Architekturgeschichte gegeben hat, die die Bewegung vorangetrieben haben. Dazu gehörte Franz Roh als mastermind der erwähnten Ausstellung, Sigfried Giedion als Vorkämpfer in der Architekturtheorie bis zu Rudolf Carnap vom Wiener Kreis in der Wissenschaftsphilosophie und auch Otto Neurath (in diesem Zusammenhang allerdings vor allem bei der Stadtplanung). Ihre Zusammenarbeit ist seinerzeit nur selten öffentlich geworden, sondern lässt sich fast ausschließlich durch Archivalien erschliessen.
Einzelne Ergebnisse meiner Untersuchungen sind schon verschiedentlich veröffentlicht worden. Sie sollen im Projekt zu einem Buch erweitert und abgeschlossen werden.

 

Lecture

„Es liegt in der Luft eine Sachlichkeit“.
Bemerkungen zum „Zeitgeist“ im Allgemeinen
und dem der 1920er Jahre - von der Malerei über die Architektur etc.
bis zur Philosophie - in Mitteleuropa im Besonderen.

Date: June 30, 2022

Time: 5-6.30pm (CEST)

Platform: NIG, Universitätsstraße 7, 1010 Wien, SR 3A and ONLINE

Abstract: 

Dieser Vortrag soll ein Entwurf für das Schlusskapitel meines Projekts über die Entstehung und Ausbreitung der Neuen Sachlichkeit in der deutschsprachigen Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts sein. Im Projekt geht es um zwei Hauptfragen:

1)  was eigentlich macht den Kern dieser Sachlichkeit aus, wenn man nicht nur ihren Ursprung in der Malerei, sondern auch ihre Ausdehnung auf Gebiete wie die Architektur, Literatur, Musik bis hin zur Philosophie in die Betrachtung einbezieht?

2) Da die Vertreter der Neuen Sachlichkeit schon in der Malerei  keine soziale Gruppe bildeten (und erst recht nicht in den anderen genannten Kulturbereichen): wer und was trieb die Entwicklung dieser Strömung voran?

Das erwähnte Schlusskapitel soll die Ergebnisse meiner Untersuchungen  - erst einmal tentativ - zusammenfassen unter dem Begriff des Zeitgeistes. Dafür muss geklärt werden:

- handelt es sich dabei überhaupt um ein wissenschaftlich respektables und empirisch erforschbares Konzept?

- wie sieht es damit bei dem Zeitgeist der 1920er Jahre aus, also mit der Neuen Sachlichkeit?

Am Schluss komme ich dann auf die Frage zu sprechen: was hat all das mit der Philosophie (und spezieller: mit dem Wiener Kreis) zu tun?